Nachhaltigkeit in der Bildung
Am schulinternen Weiterbildungstag im Dezember 2023 fiel an der Allgemeinen Berufsschule Zürich ABZH der Startschuss zu einem mehrjährigen Nachhaltigkeitsprojekt, dass das Thema Nachhaltigkeit umfassend an der Schule verankern soll.
Mit gutem Beispiel voran: Aktiv und Bewusst für die Zukunft Handeln, so der Leitsatz, den sich das ABZH-Team dazu gegeben hat.
In einem 3-Jahres-Rhythmus setzen sich Lernende und Lehrpersonen, aber auch Mitarbeitende von Verwaltung und Hausdienst, in abwechselnder Reihenfolge mit den Themenbereichen “nachhaltige Ernährung”, “Klima und Energie” sowie “soziale Nachhaltigkeit” auseinander. Nach Ablauf der 3 Jahre wiederholt sich der Themenkreis wieder, womit gewährleistet ist, dass die meisten der rund 2600 Lernenden sich im Laufe ihrer Ausbildung mit allen drei Themenkreisen auseinandersetzen. Diese Auseinandersetzung erfolgt in vier Säulen:
Unterricht
Der Themenkreis wird im Unterricht in der Berufskunde wie auch im Allgemeinbildenden Unterricht ABU, im Fremdsprachen- und im Sportunterricht im Laufe des Jahres lehrplanorientiert mit den Lernenden behandelt. Dazu definieren die zuständigen Abteilungsleitenden gemeinsam mit den Fachgruppenleitenden der verschiedenen Fachschaften, wie gross der Umfang des jeweiligen Themenkreises im Bildungsplan der Fachschaft sein kann. Der Unterricht und die Semester- sowie die Jahresplanung werden darauf ausgerichtet, dass das Thema, im Schuljahr 2024/25 zum Beispiel die nachhaltige Ernährung, in allen Lehrjahren in diesem Schuljahr vertieft unterrichtet wird. Aus jeder Fachgruppe bereiten eine oder mehrere Lehrpersonen das Thema für die gesamte Fachgruppe digital auf, so dass die Lernenden und die Lehrpersonen von gut aufbereitetem und aktuellem Unterrichtsmaterial profitieren können. Der Umfang der Lektionen ist nicht in jeder Fachgruppe und in jedem Jahr gleich gross. So ist das Thema nachhaltige Ernährung in den Fachgruppen der Hotellerie und Gastronomie sicher gross geschrieben, während die Fachgruppe der Oberflächenbeschichter/innen hier nicht ganz so viele Anknüpfungspunkte hat und deshalb eine eher kürzere Unterrichtssequenz dazu erarbeitet hat. Ganz anders kann dies im Folgejahr mit dem Thema «Klima und Energie» aussehen. Ziel ist es, dass die Lernenden während des ganzen Themenjahres immer wieder mit dem Schwerpunktthema konfrontiert werden, um es nachhaltig in ihrem Bewusstsein zu verankern.
Schwerpunktwoche
Während das Thema im Unterricht lehrplanorientiert aufbereitet wird, soll die im November stattfindende Schwerpunktwoche eine praxis- und handlungsorientierte sowie übergreifende Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen. Eine Arbeitsgruppe organisiert die Schwerpunktwoche, in der sich alle Lernenden im Klassenverbund, meist gemeinsam mit ihrer Lehrperson, im Rahmen eines halb- oder ganztägigen Elements mit einem speziellen Thema im Themenkreis auseinandersetzen. Die dabei angebotenen Elemente sind vielfältig. Zum Thema nachhaltige Ernährung gab es zum Beispiel eine Werkstatt nachhaltige Ernährung, ein interaktives Theaterstück der Gruppe Actback, Nose-to-tail der Fleischfachleute, Betriebsbesichtigungen wie bei der Swiss-Re, um deren Nachhaltigkeitskonzept genauer kennen zu lernen, den Einkaufsladen des Ökozentrums, Gemüspickles und Gemüsepaste der Fachgruppe Küche, einen nachhaltigen Stadtrundgang in der App, verschiedenen Redner/innen und viele weitere spannende Angebote. Dazu berichtet Alexandra Honeggger, eine ABU-Lehrperson:
Etwas unsicher startete ich am Montagmorgen in die Nachhaltigkeitswoche mit dem Modul „Werkstatt“. Würde ich meine Klasse richtig instruieren, würde alles klappen? Nach einer kurzen Orientierungsphase legten die Küchenangestellten motiviert los. Die Werkstatt bot viel Abwechslung und für alle war etwas dabei, das sie interessierte. Die Lernenden arbeiteten konzentriert in Einzelarbeit, diskutierten Aufträge zu zweit und rätselten und lachten beim Spielen. Die 4 Lektionen waren im Nu vorbei.
Am Nachmittag durfte ich mit meiner Klasse den Einkaufsladen des Ökozentrums besuchen. Als Einstieg ins Thema schauten wir einen Beitrag aus Einstein. Die Frage: „Welche Vorspeise ist die klimaneutralste?“ hat die Lernenden angeregt, mitzudenken und mitzuraten. Ist es der Nüsslisalat aus der Region mit Speck oder doch eher das Gazpacho mit Gemüse aus Spanien? Danach stellten sie in Gruppen Einkaufstüten zu verschiedenen Themen zusammen. Sie staunten nicht schlecht über die Zahlen, welche die Kasse ausspuckte. Nicht der Preis war das Erstaunliche! Die Kasse zeigte auch, wie viel CO2 pro Einkauf freigesetzt wurde. Die Einkaufstüte mit lokalen Lebensmitteln kam auf über 90kg CO2, weil nebst Gemüse auch 400g Rindfleisch und ebenso viel Poulet gekauft wurde, während die gesunde Tüte gerade mal 3kg CO2-Ausstoss produzierte, da sie nur Gemüse und Früchte enthielt. Dieses Modul hat definitiv zum Nachdenken, Überdenken und Umdenken des eigenen Verhaltens angeregt!
Nach einem Einstieg ins Thema „Foodwaste“ im Klassenzimmer, verbrachte ich den Dienstagmorgen mit einer Drogistenklasse im Saal. Wir besuchten das Forumtheater Actback. Die rund 70 Lernenden im Saal durften mitbestimmen, in welche Richtung sich die Theaterszenen entwickeln sollten. Sie brachten spannende, eigene Ideen ein, entwarfen alltagsnahe Szenen, spannten den Bogen zum Thema „Foodwaste“ und 3 Lernende spielten sogar mit. Es wurde viel gelacht, manchmal diskutiert und vielleicht sogar der Startschuss gelegt für die eine oder andere schauspielerische Karriere.
Projekte
Die Projektanlage ermöglicht es Lernenden und Lehrpersonen auch, themenorientiert Projekte bei der Schulleitung zu beantragen. Eines davon ist das nachhaltige Koch- und Informationsbuch, das Fachlehrer Marcel Merlo mit seinen zwei Klassen und der Unterstützung verschiedener Berufskundelehrpersonen lanciert hat. Dabei konnte er auf die wertvolle Zusammenarbeit mit zwei Klassen der Schule für Gestaltung zählen. Entstehen wird ein ungewöhnliches, spannendes Buch, das die Leser/innen verblüffen und faszinieren wird.
Fachlehrer Roger Keller hat im Rahmen seiner PICTS-Ausbildung einen digitalen Escape-Raum für die Lernenden zum Thema nachhaltige Ernährung gestaltet.
Unsere Mediothekarin und gleichzeitig I&D-Lehrperson Sarah Zgraggen hat in der Mediothek gemeinsam mit ihren Lernenden eine themenbezogene Bücherausstellung gemacht. Die Lernenden konnten die Bücher selber auswählen, immer ein/e Lernende/r rezensierte ein Buch. Diese Rezensionen wie auch der Escape-Raum sind auf der unten beschriebenen App zugänglich.
App
Begleitet wird das ganze Projekt durch eine App, die eine Arbeitsgruppe gemeinsam mit einem App-Spezialisten laufend weiterentwickelt. So ist zum Beispiel der nachhaltige Stadtrundgang darauf abgebildet.
So ein grosses Projekt ist nur möglich mit dem Einsatz vieler Lehrpersonen und dem Verwaltungs-Team, sowie Goodwill und der Unterstützung von verschiedenen Institutionen. Besonders hervorheben möchten wir hier die Stadt und den Kanton Zürich, das Mittelschul- und Berufsbildungsamt, éducation 21 und vielen weiteren Institutionen und Firmen, die uns hier unterstützen. «Es ist wunderbar, wie viel Supportund Interesse wir von verschiedenen Stellen bekommen», so Meta Studinger, Projektinitiantin und Rektorin der ABZH. «Aber es sind auch viele Arbeitsstunden, die engagierte Lehrpersonen und Unterstützer/innen dabei leisten. Wir zahlen auch hin und wieder Lehrgeld.» Im kommenden Schuljahr ist zum Beispiel der Aufbau einer Schnitzeljagd zum Thema Klima, Energie und Kreislaufwirtschaft mit Future Perfect geplant, die auch anderen Schulen und Institutionen zugänglich sein soll.